Stein gewordenes Vorbild

 

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Mit der Bezeichnung Wickenburg-Siedlung umschreibt der Allbau die ehemaligen Krupp-Häuser, die Essens größter Wohnungsanbieter im Jahre 2010 von Thyssen-Krupp erworben hat.
Die Wickenburg-Siedlung umfasst die Häuser und Straßen

Haunerlandweg, Messings Garten, Langenkämperweg, Adelkampstraße, Langenkamp, Bramkampstraße, Wiesenbergstraße, Magdeburger Knie und Pfingstfeldwende.

Als Baujahr gilt das Jahr 1917, errichtet wurde die Siedlung durch die Firma Krupp.
Die von Krupp an vielen Stellen Essens und eben auch an der Wickenburg erbauten Werkssiedlungen spiegeln die Philosophie des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern wider.
Einerseits verlangte Krupp absolute Loyalität und Identifikation mit der Firma und erließ dazu zahlreiche Regeln, die penibel eingehalten werden mussten.

Andererseits war das soziale Engagement von Krupp seiner Zeit weit voraus und wurde später Vorbild der Bismarck'schen Sozialgesetzgebung.

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Mit den Werkswohnungen konnten die Krupp-Arbeiter verbilligten und qualitativ hochwertig gebauten Wohnraum nutzen, sie erhielten eine Krankenversicherung und sogar eine betriebliche Altersversorgung. In diesen Bereichen war Krupp Vorreiter in den industrialisierten Nationen.

Als das Unternehmen selbst nach dem ersten Weltkrieg seine Wohnungs-Bautätigkeit zurückfuhr, unterstützte Krupp die damals entstandenen gemeinnützigen Baugenossenschaften durch unentgeltliche Überlassung von Baugrundstücken und sogar den Bau von Straßen zu den neuen Siedlungen.

Wickenburg Historie-02 600Alte Namen erzählen ihre Geschichte

Auch das Gelände an der Wickenburg, auf dem die Wickenburg-Siedlung steht, ist geschichtsträchtiger Boden, worauf heute noch die Straßenbezeichnungen mit ihren lokalhistorischen Wurzeln hinweisen.

Der Wickenburg-Hof war ein fürstliches Gut, das 1643 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, aber schon vorher bestanden haben muss. Seinen Namen erhielt er von der Familie Wickenburg, die Pächter des Hofes war.

Der Bramkampshof, Schreibweise auch Brahmkampshof, wiederum war Namensgeber der Bramkampstraße. Zuletzt wurde dieser Hof von Johann Heinrich Bramkamp bewirtschaftet, dessen Witwe in vierter Ehe den Landarbeiter Lambert Messing heiratete, woraus sich auch die Flurbezeichnung Messings Garten erklärt, der in der Tat der Hausgarten des Hofes war.

Und der Langenkämper Weg etwa geht auf einen Tagelöhner Johann Wilhelm Bramkamp, genannt Langenkamp, zurück, dessen Sohn Wilhelm Bramkamp den gleichnamigen Hof bewirtschaftete.

Die Bezeichnung Wiesenbergstraße bezieht sich auf einen Berg oder eher Hügel, der gutes Feldland aufwies.

Etwas kurios ist der Straßenname Magdeburger Knie. Einerseits ist die Straße in der Tat nach der ostdeutschen Stadt benannt. Der Begriff „Knie“ kam in die Bezeichnung, weil sie ursprünglich Knie förmig geplant war. Wer die Straße kennt weiß aber: Sie ist schnurgerade.

Der alte Kotten Adelkamp oder Ardelkamp gehörte zum Hof Wickenburg und gab der Adelkampstraße ihren Namen.

Der Haunerlandweg geht auf einen Landwirt namens Huhnerland zurück. Ob dieser so genannt wurde, weil er vielleicht einen Hof mit vielen Hühnern bewirtschaftete, ist jedoch nur eine Mutmaßung.

Zuletzt die Pfingstfeldwende: Dieser Name rührt von der Verpflichtung des Hofes Kleinborg, jährlich ein Huhn und den zehnten Teil der Felderzeugnisse an den Eigentümer zu geben.